Allein in Deutschland sind ca. 150.000 Schweißer tätig. Bei Schweißarbeiten muss eine spezielle Schutzbekleidung getragen werden, die insbesondere vor heißen Metalltropfen und damit vor Verbrennungen schützt. Diese Kleidung wird bisher überwiegend aus Baumwollgeweben hergestellt, die durch eine zusätzliche Ausrüstung, z. B. mit Metallsalzen, mit flammhemmenden Eigenschaften versehen wird. Diese traditionelle Schweißerschutzbekleidung besitzt aber mehrere gravierende Nachteile bezüglich des Tragekomforts und der Schutzwirkung, weswegen neuartige Konstruktionen mit verbesserten Eigenschaften der Direktive der EN 340 besser entsprächen und beachtliche Marktchancen hätten.
Bisher ist zur Erzielung der Schutzwirkung bei Schweißerschutzkleidung ein hohes Flächengewicht der Baumwollkonstruktionen notwendig, das zwischen 450 und 900 g/m2 liegt. Die Kleidung wird dadurch zum einen sehr schwer, zum anderen ist im warmen Klima die Wärmeisolation dieser Kleidung zu hoch. Die traditionellen Materialien müssen zudem dicht geschlagen sein. In Verbindung mit der notwendigen Ausrüstung führte dies zu einem hohen Wasserdampfdurchgangswiderstand, also einer schlechten "Atmungsaktivität" sowie einem unbefriedigenden Schweißtransport. Die bisherigen Konstruktionen müssen zudem steif sein, damit die Metalltropfen abperlen und sich nicht durch den Stoff brennen und Verletzungen verursachen. Die dadurch bedingten ungünstigen hautsensorischen Eigenschaften der Textilien können zu Hautirritationen führen. Dieser Effekt wird durch die hydrophobe Ausrüstung noch verstärkt.
Zudem lässt die Wirkung dieser Ausrüstung durch ölhaltige Verschmutzungen, die starke UV-Belastung beim Schweißen und insbesondere Pflege (Wäsche) stark nach. Dadurch ergeben sich nur geringe Standzeiten der Kleidung von maximal 3 bis 4 Pflegezyklen, häufig kann die Schutzkleidung nur ein einziges Mal verwendet werden.
Bei Schweißen in engen Räumen müssen die Schweißer auf dem Boden oder auf Metallplatten knien oder liegen (z. B. Schiffs-, Rohrleitungs-, Tunnel- und Kesselbau). Hier bietet die bisherige Kleidung keinerlei druckreduzierende Einschübe an den Knien, Ellbogen oder Schultern. Im Winter führt die Kontaktfläche mit dem kalten Boden oder Metallplatten zu Kältebrücken, die zu lokalen Unterkühlungen führen.
Es gab noch keine effiziente Prüfmethodik zur Ermittlung der Schutzwirkung von Geweben bei Einwirkungen von Schweißspritzern, wie sie für eine schnelle Beurteilung von Neuentwicklungen von Textilien für Schweißerschutzbekleidung notwendig wäre.
Das Forschungsprojekt, welches am 31.3.08 abgeschlossen wurde, hat die grundlegenden Konstruktionsprinzipien für eine innovative Schutzbekleidung für Schweißer erarbeitet, die bei höherer Schutzwirkung gleichzeitig eine gute physiologische Funktion mit einem für den Träger spürbar verbesserten Tragekomfort aufweist.
Es stehen jetzt konkrete direkt in neuartige Schweißerschutzkleidung und vom Textil- und Bekleidungshersteller direkt in neuartige Schweißerschutzkleidung umsetzbare Konstruktionsleitlinien zur Verfügung.
Die in dem Projekt erarbeiteten Konstruktionsleitlinien werden es den deutschen Schutztextil- und Schutzbekleidungsherstellern aber auch textilen Mietdiensten erlauben, ab sofort innovative Schweißerschutzbekleidung anzubieten, die folgende Vorteile gegenüber dem bisherigen Stand der Technik besitzen:
- Verbesserte Schutzfunktion gegen heiße Metalltropfen und gegen lokale Unterkühlungen
- Guter Tragekomfort (Atmungsaktivität, Schweißtransport)
- Längere Standzeiten (Ziel: Mindestens 10 Pflegezyklen)
Dieses öffentlich geförderte Forschungsvorhaben wurde von der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Niederlassung der GSI mbH, Duisburg und dem Bekleidungsphysiologischen Institut Hohenstein e.V., Schloss Hohenstein, Bönnigheim, durchgeführt.
Die Untersuchungen wurden aus Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI) über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e. V. (AiF-Nr.: 00.213 Z/DVS-Nr.: Q6.005) gefördert und von der Forschungsvereinigung Schweißen und verwandte Verfahren e. V. des DVS sowie vom Forschungskuratorium Textil e. V. unterstützt.
Für diese Unterstützung sei gedankt.
Veröffentlichungen der Ergebnisse in den Fachzeitschriften "Schweißen und Schneiden" sowie "Der Praktiker" sind für Ende 2008 vorgesehen.